Ika

2
Jun
2007

Arbeitsreiches Wochenende



See y'all next week!

1
Mai
2007

Der historische Wert einer Quelle


Leihzettel in Ikas Dissertation

Per Fernleihe kam vor einiger Zeit Ikas Dissertation aus dem Jahr 1919 aus der Stabi Hamburg zu mir nach Berlin. Welch großer Moment! Es handelt sich nämlich um das Autorenexemplar, selbst getippt auf dünnem Nachkriegspapier und mit handschriftlichem Titel versehen von der Zartesten Versuchung Seit Es Spionage Gibt höchstpersönlich. Mir war bewusst, daß ich ein Werk in der Hand halte, auf dem sich noch Seine Fingerabdrücke befinden.
Die Dissertation selbst ist für den Historiker an sich uninteressant. Ika beschäftigte sich in seinen jungen Jahren, bevor er die Zarteste Versuchung Seit Es Spionage Gibt wurde, nämlich mit einem obskuren Gebiet der Finanzpolitik.
(Deshalb stelle ich mir den jungen Ika auch immer in etwa so vor wie den von mir hochverehrten Herrn Exit, auf den ja meiner Meinung nach auch zutrifft, was Ikas erste Frau lange nach dessen Tod über ihn sagte: "Er [Ika] brauchte um Menschen nicht zu werben, sie flogen ihm zu, Männer wie Frauen." Sollte Herr Exit sich jetzt noch entscheiden, die Finanztheorien zu Gunsten der internationalen Spionage aufzugeben, dann wird vielleicht auch seine Dissertation dereinst von Geschichtsstudenten gelesen werden;-))

Inhaltlich ist diese finanzpolitische Dissertation für den Historiker, der sich mit Ikas Leben beschäftigt, also nicht relevant. Wie sie dennoch zu einer Quelle nicht nur für die Wirtschaftswissenschaften, sondern auch für die Spionagegeschichte wurde, erschließt sich aus dem Leihzettel von 1922, der vorn in die Arbeit eingeklebt ist:
Hier haben sich die 5 Benutzer eingetragen, die Ikas Dissertation in den letzten 80 Jahren ausgeliehen haben. Der erste war ein Student aus Heidelberg, der Ikas Werk im Jahr 1929 als Referenz für seine eigene Abschlussarbeit in Wirtschaftswissenschaften genutzt hat. Zu dem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, daß der Autor der "Reichstarife" sich gerade in der Sowjetunion mit den Grundlagen der Spionage vertraut gemacht hatte und in einigen Jahren als größter Spion aller Zeiten bekannt werden würde.
Der nächste Benutzer, im Jahr 1978, war denn auch nicht mehr an Finanzpolitik interessiert, sondern trug als Verwendungszweck in den Leihzettel ein: "Information über den Meisterspion [...] in der deutschen Botschaft Tokio". Gleiches gilt für die folgenden drei Entleiher, deren letzter, im Jahr 1997, übrigens mein Professor war.
Auf diese Weise entsteht eine historische Quelle. Ist das nicht hochspannend?

26
Apr
2007

The Love of my Life


Just because.
Hadn't posted any Ika pictures lately.

17
Mrz
2007

Ein glücklicher Spion



In einer der neueren russischen Veröffentlichungen habe ich das - meines Wissens - einzige Photo von Ika entdeckt, auf dem er lächelt, offen und gelöst in die Kamera lacht (laut Bildunterschrift beim Kirschblütenfest in Kogane, leider ohne Datumsangabe).
Schön.

Du, Ika? Ich liebe dich.

5
Mrz
2007

Aus der Seele gesprochen

Englische (und amerikanische, for that matter) Historiker schreiben einfach besser.

Und ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich nicht auch so schreiben dürfen sollte. Ironie ist mein zweiter Vorname, und ich erzähle gern mal eine Anekdote. Und das auch in einer wissenschaftlichen Arbeit.

Übrigens enthält meine Abschlußarbeit die Worte Sex, Suff und Klugscheißer. So.

25
Jan
2007

Spin Doctor

"Jeder, der sich ernsthaft mit dem Leben
und dem Arbeitsstil dieses sowjetischen
Kundschafters beschäftigt, weiß, das es keinen
Platz für ständige Trinkgelage und amouröse
Abenteuer bot, wie sie bürgerliche
Schreiberlinge dem heldenhaften
Friedenskämpfer angedichtet haben."


Julius Mader: An Geheimer Front, S. 372

Also wirklich:
Was wäre der heldenhafte Kampf für den Frieden ohne ein gelegentliches Trinkgelage, gefolgt von einem amourösen Abenteuer? Das macht doch keinen Spaß.

Ich finde, man muss die DDR-Geschichtsschreibung bewundern für ihr konsequentes Ignorieren der Fakten im Dienste der Legitimierung ihres süßen kleinen Staates.
Und sie ist so lustig!

19
Jan
2007

Die Suche nach der Wahrheit

... ist nicht immer leicht und erfordert so manchen Umweg.

Pravda Die Wahrheit?

Dieser Tage:
Um ihre Argumentationskette zu schließen und wasserdicht zu machen, braucht unsere vielversprechende junge Nachwuchswissenschaftlerin nur noch den einen oder anderen Artikel aus der Pravda vom Herbst 1964.
Der Opac sagt, daß die Pravda sowohl im Osteuropainstitut als auch bei den Politologen zu bekommen ist, doch gebe es im OEI ausgerechnet zwischen 1960 und 1967 eine Bestandslücke.
Unsere vielversprechende junge Nachwuchswissenschaftlerin (VJN) begibt sich also zur politologischen Leihstelle, und es entspinnt sich folgender Dialog:

VJN:
Jaa, also, ich suche die Pravda von 1964 ...?
Noch bevor das Gehirn einschreiten konnte, hat die Zunge, aus alter Gewohnheit, schon ein formvollendetes russisches R gerollt und gleich noch ein russisches V angehängt. Deshalb, kein Wunder:
Leihstelle:
Häh?
VJN:
Die Pravda (diesmal schön deutsch ausgesprochen) bräuchte ich, Sie wissen schon, Russland und so?
Leihstelle:
Ach so, die Praffda. Mikrofilm. Müssense nach Lankwitz.
VJN:
Aber laut Opac sind nur die Jahrgänge 1974-1996 auf Mikrofilm, die früheren müssten gebunden sein.
Leihstelle:
(tippt im Opac rum) Ach ja, stimmt. Aber die sind im Außenmagazin. Müssense im alphabetischen Katalog die Signatur raussuchen. Der ist im Keller. Irgendwo.
VJN:
(geht in den Keller, kommt wieder rauf) Da steht "Kein Zutritt, geschlossenes Magazin" an der Tür?
Leihstelle:
Ach ja, da muss ich mitgehen, da dürfense nicht alleine rein.

Langer Rede kurzer Sinn: Leihstelle und VJN gehen in den Keller, finden Signatur, füllen Bestellzettel aus. Bände können morgen abgeholt werden. War doch gar nicht so schwer.

Da das OEI gleich um die Ecke ist, geht unsere VJN schnell auch nochmal dorthin, um sich in verschiedene Ausgaben der Zeitschrift Ogonek (Das Flämmchen) vom Frühjahr 1965 zu vertiefen. Doch was ist denn das da, in der letzten Reihe der Zeitungsabteilung? Die Pravda, vollzählig! Irgendwo in den Tiefen des Magazins erschallt ein "Happiness!".

Unsere VJN schleppt schwankend mehrere Zeitungsbände, die mindestens halb so groß sind wie sie selbst, zu einem Arbeitstisch und vergisst die Welt um sich herum. Die Artikel sind aber doch recht lang, und die Bibliothek schließt gleich. Auf den Kopierer passen die grundschülergroßen Bände auf keinen Fall.

Unsere VJN überlegt: WWIT? Was würde Ika tun? Ein wissendes Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Wie einst der große Meister selbst in der Deutschen Botschaft, blickt unsere VJN sich unauffällig um, vergewissert sich, daß sie unbeobachtet ist, zieht die Leica aus der Tasche und fotografiert das konspirative Material geschickt und unauffällig ab.

Soll noch einer sagen, Geschichte sei langweilig.

17
Jan
2007

Ika...

Ika-in-Ogonek

...wie ein sowjetischer Maler ihn sah.

Aus: Ogonek, 9/1965

12
Jan
2007

Melancholie

Frisches Lesematerial ist eingetroffen aus München (wir hier in SexyBerlin haben ja nix).
Und da hat der Autor/Verlag doch mein Lieblingsphoto von Ika auf den Umschlag gezaubert!

Melancholie

Wie melancholisch er da in die Ferne blickt; man kann ihn fast denken sehen.

25
Nov
2006

Neu in meiner Sammlung

Neu-in-meiner-Sammlung

So langsam kann ich ein Museum aufmachen und Eintritt verlangen.

Die Sorge-LP! Was es nicht alles gibt. Ja, diese wurde 1975 in der DDR produziert, und ist nun - dank eBay - mein. Im Grunde ist es nur eine gekürzte und dramatisierte Version des Sorge-Reports, unterlegt mit Schostakowitsch, aber der Sammlerwert….

Des weiteren: Aino Kuusinen, Der Gott stürzt seine Engel. Die Memoiren von Otto Kuusinens (ja, schon gut, der nichtfinnische Wikipedia-Eintrag findet sich hier) Ehefrau, die 1938 verhaftet wurde und an die 20 Jahre im Arbeitslager verbrachte. Sie beschreibt beklemmend realistisch den Wahnsinn der stalinistischen Säuberungen. Nebenbei war sie Mitte der 30er Jahre eine Kollegin der Zartesten Versuchung seit es Spionage gibt und hat ihn in Japan getroffen. Betrunken auf dem Sofa liegend, versteht sich.

Last but not least, die winzigkleine Biographie von Maxe Klausen, seines Zeichens Funker der Zartesten Versuchung seit es Spionage gibt. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich herausgefunden hatte, daß dieses Buch tatsächlich nur in Miniaturformat veröffentlicht wurde. (Das Miniaturbuch: ein sehr populäres Konzept in der DDR - man könnte meinen, es handele sich um eine japanische Erfindung.) Inhaltlich wiederum nichts Neues, aber der Sammlerwert….

Happiness!

Um nochmal die Größe anschaulich zu machen:

Minibuch
Hanami-Panda

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