... ist nicht immer leicht und erfordert so manchen Umweg.

Die Wahrheit?
Dieser Tage:
Um ihre Argumentationskette zu schließen und wasserdicht zu machen, braucht unsere vielversprechende junge Nachwuchswissenschaftlerin nur noch den einen oder anderen Artikel aus der Pravda vom Herbst 1964.
Der Opac sagt, daß die Pravda sowohl im Osteuropainstitut als auch bei den Politologen zu bekommen ist, doch gebe es im OEI ausgerechnet zwischen 1960 und 1967 eine Bestandslücke.
Unsere vielversprechende junge Nachwuchswissenschaftlerin (VJN) begibt sich also zur politologischen Leihstelle, und es entspinnt sich folgender Dialog:
VJN:
Jaa, also, ich suche die Pravda von 1964 ...?
Noch bevor das Gehirn einschreiten konnte, hat die Zunge, aus alter Gewohnheit, schon ein formvollendetes russisches R gerollt und gleich noch ein russisches V angehängt. Deshalb, kein Wunder:
Leihstelle:
Häh?
VJN:
Die Pravda (diesmal schön deutsch ausgesprochen)
bräuchte ich, Sie wissen schon, Russland und so?
Leihstelle:
Ach so, die Praffda. Mikrofilm. Müssense nach Lankwitz.
VJN:
Aber laut Opac sind nur die Jahrgänge 1974-1996 auf Mikrofilm, die früheren müssten gebunden sein.
Leihstelle:
(tippt im Opac rum)
Ach ja, stimmt. Aber die sind im Außenmagazin. Müssense im alphabetischen Katalog die Signatur raussuchen. Der ist im Keller. Irgendwo.
VJN:
(geht in den Keller, kommt wieder rauf)
Da steht "Kein Zutritt, geschlossenes Magazin" an der Tür?
Leihstelle:
Ach ja, da muss ich mitgehen, da dürfense nicht alleine rein.
Langer Rede kurzer Sinn: Leihstelle und VJN gehen in den Keller, finden Signatur, füllen Bestellzettel aus. Bände können morgen abgeholt werden. War doch gar nicht so schwer.
Da das OEI gleich um die Ecke ist, geht unsere VJN schnell auch nochmal dorthin, um sich in verschiedene Ausgaben der Zeitschrift
Ogonek (Das Flämmchen) vom Frühjahr 1965 zu vertiefen. Doch was ist denn das da, in der letzten Reihe der Zeitungsabteilung? Die Pravda, vollzählig! Irgendwo in den Tiefen des Magazins erschallt ein "Happiness!".
Unsere VJN schleppt schwankend mehrere Zeitungsbände, die mindestens halb so groß sind wie sie selbst, zu einem Arbeitstisch und vergisst die Welt um sich herum. Die Artikel sind aber doch recht lang, und die Bibliothek schließt gleich. Auf den Kopierer passen die grundschülergroßen Bände auf keinen Fall.
Unsere VJN überlegt: WWIT? Was würde Ika tun? Ein wissendes Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Wie einst der große Meister selbst in der Deutschen Botschaft, blickt unsere VJN sich unauffällig um, vergewissert sich, daß sie unbeobachtet ist, zieht die Leica aus der Tasche und fotografiert das konspirative Material geschickt und unauffällig ab.
Soll noch einer sagen, Geschichte sei langweilig.